Film "The Road We've Traveled " from Obama for America 2012

Dienstag, 20. März 2012

Auswärtiges Amt : Rede von Staatsministerin Cornelia Pieper zum Festakt „60 Jahre Deutsch-Amerikanisches Fulbright-Programm“



19.03.2012

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrter Herr Gesandter,
liebe Fulbright-Familie,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist mir eine große Freude, heute hier im Weltsaal des Auswärtigen Amts gemeinsam mit dem Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten und Ihnen den Festakt anlässlich der 60 Jahre des Bestehens der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission begehen zu dürfen und mit Ihnen zu feiern.

Bundesminister Dr. Westerwelle kann zu seinem großen Bedauern heute Abend nicht dabei sein. Er lässt Sie alle herzlich grüßen und mich seine große Freude über dieses im Rahmen der bilateralen Beziehungen herausragende Programm und seine besten Wünsche für seine Zukunft übermitteln.

Soeben wurde das Grußwort der amerikanischen Außenministerin verlesen, über das ich mich sehr freue und für das ich mich sehr herzlich bedanke. Hillary Rodham Clinton unterstreicht, dass die heutige 60-Jahr-Feier des Deutsch-Amerikanischen Fulbrightaustauschprogramms ein Zeugnis für die langjährige starke Partnerschaft unserer Länder ist.

60 Jahre Deutsch-Amerikanische Fulbright-Kommission sind in der Tat ein stolzes Jubiläum und ein hervorragender Anlass, uns noch einmal bewusst zu machen, was Amerikaner und Deutsche so eng und fest miteinander verbindet.

US-Amerikaner und Deutsche sind nach dem Zweiten Weltkrieg einen langen gemeinsamen Weg gegangen, der beide Völker in einem hohem Maße bereichert hat: Wechselseitiges Verständnis und Vertrauen sind daraus erwachsen, Fundamente unserer Bereitschaft, Herausforderungen gemeinsam entgegenzutreten und sie konstruktiv zu meistern. Zugrunde liegt dabei unsere Wertegemeinschaft, in der Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung von Menschenrechten die Grundfeste bilden für die tiefe Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen.

Was zeichnet die deutsch amerikanische Partnerschaft heute aus?

- die Dichte und die Volumina des wirtschaftlichen Austauschs: Die USA sind für Deutschland weiterhin der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU, und Deutschland bleibt der wichtigste Handelspartner der USA in Europa.

- die enge Zusammenarbeit und Abstimmung in allen sicherheitspolitischen Fragen,

- gute und häufige persönliche Kontakte der Führungspersönlichkeiten auf beiden Seiten
und vor allem

- die vielfältigen Kontakte im zivilgesellschaftlichen Bereich, von Städtepartnerschaften über Schüler und Studentenaustausch bis hin zu engsten Kooperationen im Forschungsbereich.

Wenn man in Deutschland den 60. Jahrestag einer Ehe feiert, so spricht man von einer „Diamantenen Hochzeit“. Ein Diamant, so brillant geschliffen und unverbrüchlich wie die Deutsch-Amerikanische Fulbright-Kommission im Jahre 2012. Und genau hier, bei der Förderung der persönlichen Kontakte setzte die Vision von Senator Fulbright an.

Seit der Gründung am 18. Juli 1952 hat das deutsch-amerikanische Fulbright-Programm mehr als 40.000 US-Amerikaner und Deutsche gefördert. Damit ist das deutsche Programm das größte bilaterale Austauschprogramm im Spektrum des weltweiten Fulbright Netzwerks. Mit dem Stipendienprogramm wollte Senator James William Fulbright das gegenseitige Verständnis zwischen den USA und anderen Staaten durch akademischen und kulturellen Austausch fördern. Die Vision von Senator Fulbright, durch interkulturelle Ausbildung und Kontakte zu einer Verbesserung der internationalen Beziehungen beizutragen, ist heute - nach 60 Jahren – im Zeitalter der Globalisierung hochaktuell. Und das zeigt die Fulbright Kommission mit der Innovationsfähigkeit und Aktualität ihrer Programme in einem besonderen Maße.

Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit der Fulbright Kommission ganz herzlich gratulieren:

Heute vor 10 Tagen, am 9. März, ist die Kommission zusammen mit der University of Kentucky in New York mit dem Andrea Heiskel Award 2012 des Institute of International Education in der Kategorie „Internationalizing the Campus“ für das Programm Discover Germany – Discover USA ausgezeichnet worden.

Dieses fünfwöchige Programm richtet sich an bisher zu wenig repräsentierte Gruppen im bilateralen Austausch: Studierende mit Migrationshintergrund auf beiden Seiten des Atlantiks.

Es setzt damit an einem ganz wichtigen Punkt an. Denn nicht nur der Charakter und die Themen der Transatlantischen Partnerschaft haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert, sondern auch die Akteure. Der prozentuale Anteil an Amerikanern mit europäischen Wurzeln ist deutlich gesunken.

Gleichzeitig spielen Erinnerungen an Aufenthalte in Deutschland, z.B. als Mitglied der US Army, für viele amerikanische Entscheidungsträger heute kaum noch eine Rolle.

Das heißt für uns: wir brauchen eine neue Generation von überzeugten Transatlantikern, auch jenseits von traditionell eng verbundenen Gruppen der deutschen und amerikanischen Gesellschaft.

Dabei ist eine Organisation wie die Fulbright Kommission natürlich einer unserer wichtigsten Partner. Ein Partner, der z.B. mit dem ausgezeichneten Programm „Discover Germany – Discover USA“ mit exzellenten Ideen an diese Aufgabe herangeht. Und der Erfolg der ersten Jahre dieser „Diversity Initiative“ gibt dieser Idee mehr als Recht.

Fulbrightstipendiaten und Diplomaten haben einiges gemeinsam: sie sind Botschafter ihres Landes und zugleich Brückenbauer zwischen ihrer Heimat und dem Gastland, in dem sie sich für einige Monate oder auch Jahre aufhalten. “Der beste Kenner eines Landes und seiner Gesellschaft ist der Fremde” wie der Soziologe Georg Simmel meinte. Sie, liebe Fulbrighter, haben den kundigen Blick von außen, den Sie nach Hause vermitteln können.

Jeder von uns hat Wurzeln, die er nicht verleugnen kann und soll, die ihn auch ein wenig begrenzen – und doch haben wir alle die Möglichkeit, über unseren Tellerrand hinauszuschauen und die Welt in ihrer ganzen Vielfalt, ihrem ganzen Reichtum, aber auch in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit wahrzunehmen und unser Handeln danach auszurichten.

Die bemerkenswerte persönliche und politische Biographie Senator Fulbrights, der sich in Europa nicht nur durch das Austauschprogramm, sondern gerade auch in seinen langen Jahren als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des US-Senats großen Respekt und Anerkennung erwarb, ist ein eindruckvolles Beispiel dafür, was ein Einzelner mit seinen weltoffenen Ideen zu erreichen und zu verändern vermag.

Es ist unerlässlich, dass Europa und Nordamerika eine gemeinsame politische Vision für die Bewältigung der Probleme des 21. Jahrhunderts entwickeln. Grundsatz unserer Politik bleibt dabei die Überzeugung, dass die vor uns stehenden vielfältigen Aufgaben mit Aussicht auf dauernden und weitreichenden Erfolg nur gemeinsam bewältigt werden können.

Viele Fulbrighter, die sich an hohen und höchsten Schalthebeln von Politik, Wirtschaft und Kultur befinden, sind „Player“ und Impulsgeber im globalen Rahmen, zu dem auch der Kontext der Außenpolitik gehört.

Außenpolitik verändert sich in rasantem Tempo. Standen früher Themen der nationalen Sicherheit, der bilateralen und multilateralen politische Beziehungen allein im Vordergrund, befasst sich heute Außenpolitik aufgrund der vielfältigen globalen Verflechtungen aller Lebensbereiche zunehmend mit allgemein interessierenden, die Menschheit als Ganzes berührenden gesellschaftlichen Themen. Außenpolitik ist multidimensional, multipolar geworden. Gleichzeitig zum Umbruch im arabischen Raum bewegen sich Gestaltungsmächte wie China, Indien und Brasilien politisch und wirtschaftlich in atemberaubendem Tempo weiter vor- und aufwärts. China ist inzwischen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen.

All diese Veränderungen führen auch dazu, dass wir es heute mit einer „neuen transatlantischen Agenda“ zu tun haben, die sich deutlich von der Agenda früherer Jahrzehnte unterscheidet. Diese Agenda umfasst: Klima und Energie, nukleare Nichtverbreitung und Abrüstung, Aufsicht über und Regulierung der Finanzmärkte, Terrorismus, Intensivierung des Welthandels, Hunger und Pandemien, regionale Konflikte zum Teil weit von unseren Grenzen entfernt. All diese Themen, die heute die transatlantische Zusammenarbeit beherrschen, können nur durch engstes Zusammenwirken gelöst werden.

Ich sehe die Bedeutung der Fulbright-Familie natürlich auch im Kontext der internationalen Kooperation in Wissenschaft und Forschung, einem besonders wichtigen Feld in den Beziehungen mit anderen Ländern.

Diese Kooperation bewegt sich im Gefüge der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als tragender Säule deutscher Außenpolitik. Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik trägt neben der Internationalisierungsstrategie der Hochschulen dazu bei, für möglichst gute Rahmenbedingungen zu sorgen, die Wissenschaft und Forschung benötigen, um international kooperieren zu können. Umgekehrt tragen Wissenschaft und Forschung aber auch dazu bei, die Politik zu unterstützen, indem sie ihre Erkenntnisse und Instrumente zur politischen Bewältigung großer globaler Probleme zur Verfügung stellen. Die Außenwissenschaftspolitik des Auswärtigen Amts schafft Anreize für die Menschen und die Wissenschaft, grenzüberschreitend mobil und aktiv zu sein. Jährlich geben wir etwa ein Drittel unseres Kulturhaushalts – etwa 250 Mio. Euro – für die internationale akademische Zusammenarbeit und Forschung aus. Damit bilden wir nicht nur Talente aus, sondern förde rn durch das gemeinsame Lernen auch kulturelle Toleranz und geistige Neugier. Die Fulbright-Kommission und die Fulbrighter übernehmen dabei eine wichtige synergetische Koordinationsfunktion.

Das Fulbright-Programm blickt auf eine über 60-jährige nachhaltige Erfolgsgeschichte des akademischen Austauschs, der Völkerverständigung und des Voneinander-Lernens zurück. Der überragende Verdienst der Fulbright-Kommission ist, dass sie weltweit den internationalen freien und offenen Austausch von Meinungen über drängende soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Fragen unserer Zeit ermutigt und ermöglicht. Sie leistet damit zukunftsweisende Arbeit im Dienste von Frieden und Stabilität.

Nehmen Sie in Ihren Herzen zurück mit nach Amerika, was Sie in Deutschland und Europa gesehen, erlebt und erfahren haben. Vor allem aber: bleiben Sie mit Deutschen und Europäern im Gespräch, wenn Sie wieder in den USA sind. Wirken Sie weiterhin im Geiste der Verständigung und des Dialogs, denn die Herausforderungen der globalisierten Welt werden wir nur gemeinsam bestehen können.

Ich hoffe, Sie bleiben, liebe Fulbrighter, ein Leben lang Botschafter und „Übersetzer“ auf beiden Seiten des Atlantiks, ganz im Geiste von Senator Fulbright: „The essence of intercultural education is the acquisition of empathy – the ability to see the world as others see it (...)

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